Grundinformationen zur Thomaskirche der Ev. Martins-Kirchengemeinde Espelkamp

Die nach dem 2. Weltkrieg entstehende Stadt Espelkamp als neue Heimat für Vertriebene war in ihren Anfängen ein Schmelztiegel vieler Landsmannschaften aus dem Osten mit ganz unterschied-lichen Glaubensprägungen. 1949 wurde die Ev. Martins-Kirchengemeinde in Espelkamp gegründet, die als Versammlungsort zunächst auf eine Munahalle, die Festhalle, zurückgreifen konnte. In der stetig größer werdenden Gemeinde regte sich jedoch bald der Wunsch, ein richtiges, eigenes, großes Kirchengebäude zu errichten. Bereits Mitte der fünfziger Jahre wurde in diese Richtung geplant und der erste Kontakt zu dem Architekten Gerhard Langmaack hergestellt. Bei der Suche nach der Gestalt des Kirchenbaus ging es auch um die Frage, ob es richtig sei, sich den vorhandenen Gebäuden wie dem Rathaus, der Wohnbebauung und den Geschäftshäusern anzupassen oder ob es vielmehr wichtig sei, eine eigene Aussage als Kirche zu machen und ein Zeichen zu sein für die „Gegenwart der unsichtbaren anderen Welt“ in der Stadt Espelkamp ?

Als Standort wurde schon frühzeitig bewusst der höchste Punkt der Stadt gewählt, dort, wo sich die alte Straße, die heutige Isenstedter Straße, mit der großen neuen Straße, der Breslauer Straße trifft. Denn die Kirchengemeinde als Bauherrin legte Wert auf die Beziehung und die Verbundenheit zwischen Gemeinwesen und Kirche und auch die Blickachse - Rathaus – Kirche - war genau geplant. Alle Überlegungen mündeten schließlich in folgende Richtlinien: 1. Die neue Kirche soll ein modernes Bauwerk sein und nicht Baustile vergangener Zeiten kopieren. Sie soll ein Ort sein, an dem das heute für die Menschen Notwendige und Heilvolle geschieht. 2. Bei aller Modernität soll erkennbar sein: Hier wird der Name und die Botschaft Gottes ausgerufen. Hier wird unter dem Geheimnis des Wortes und der Sakramente das barmherzige Mit-Sein Gottes mit seiner Schöpfung verkündet und erfahren.

Daten zur Thomaskirche:
Architekt: Gerhard Langmaack, Hamburg
Grundsteinlegung: 13. November 1960
Einweihung: 30. Juni 1963
Maße: Turmhöhe 34,35 m (ab Fußboden)
Länge 20,30 m
Breite: 15 m (Eingangshalle) bis 20,70 m (am Altarraum)

Sitzplätze:
360 im Kirchenschiff
50 im Chorraum
100 auf der Empore
100 können zusätzlich gestellt werden

Künstler:
Karl-Heinz Neumann, Hamburg – Bronzetür
Emil Grassert, Lübeck – Vertreibungsfenster
Fritz Fleer, Hamburg-Wohldorf – Kruzifix
Rudolf Weber, Espelkamp – Taufstein
Hartwig Ulrich, Aumühle/Hamburg – Altargerät, Leuchter, Taufschale
Rudolf Vombek, Hagen – Fenster im Altarraum
Arnold Rinkert - Taufstein der Martinskirche (Entwurf)
Bruno Buschmann Taufstein der Martinskirche (Ausführung)


Der Text der Grundstein-Urkunde lautet: Im Namen des dreieinigen Gottes versammelt, um den Grundstein der Evangelischen Kirche in Espelkamp-Mittwald zu legen, bezeugen wir, dass Gott uns an diesen Ort geholfen hat. Wir waren Flüchtlinge und Vertriebene und haben nun wieder eine feste Statt. Wir waren ausgeplündert, elend und arm, ohne ein schützendes Dach, ohne Arbeit. ohne Brot. Es ist uns alles wieder geworden. Wir hatten mit der Heimat Namen und Gesicht, Rang und Geltung verloren und sind nun wieder Bürger des Landes, gleicher Verantwortung und gleichen Rechtes. Der Zusammenhang mit unserer Heimatkirche war zerrissen. Nun sind wir Glieder der Evangelischen Kirche von Westfalen. Wir waren Heimatlose, uns wurde an diesem Ort neue Heimat geschenkt. In dem alle erkennen und preisen wir das Wunder der Güte Gottes und danken Seinem heiligem Namen. Wir danken auch den Männern in Staat und Kirche und Ökumene, die den Gedanken der Vertriebenenstadt zuerst dachten, und denen, die ihn durchführten. Wir bekennen und bezeugen, dass in den Jahren des völligen Zusammenbrechen aller menschlichen Sicherheiten und Möglichkeiten das Evangelium von Jesus Christus das Einzige war, das uns nicht im Stich gelassen hat, das Einzige auch, das uns Kraft gab, die schweren Anfänge in der neuen Heimat zu meistern.
Espelkamp-Mittwald, am Tage der Grundsteinlegung, dem vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, dem 13. November 1960.

Einweihung: Sonntag, dem 30. Juni 1963 wurde die neue Espelkamper Kirche (Thomaskirche) durch Präses Wilm eingeweiht in Gegenwart vieler Ehrengäste. Am Abend hielt der Erbauer der Kirche, Architekt Langmaack, als Auftakt zur "Woche der Gemeinde" einen Vortrag: "Baut Kirchbau Gemeinde?" in der fast vollbesetzten Kirche.

Sturmschäden an der Thomaskirche

1. Sturmschaden 18.02.1967 - oberhalb der Sakristei - ca. 10 - 14 m²

2. Sturmschaden: 17.10.1967 - Südseite

3. Sturmschaden: 23.04.1971 - Turm, Westseite

4. Sturmschaden: 14.08.1971 - Nord- Nord/Ostseite