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27.09.2019 15:54 Uhr

Neue Glocken für die Thomaskirche

Große Freude in Espelkamp


Mitglieder der ev. Martins-Kirchengemeinde Espelkamp vor der Glocken- und Kunstgießerei Rincker, Westerwald.

In der Gießhalle: Schmelzofen, Gießgrube mit Gießkanal und den von einer Sandschicht verdeckten Gussformen für die beiden neuen Glocken.

Aus einem Tiegel wird zusätzliche glutflüssige Bronze in den Gießkanal gegeben.

Lehmformen für den Guss neuer Glocken warten auf ihren Einsatz.

Eine weitere Hürde für den Wiederaufbau des Turms der Espelkamper Thomaskirche ist genommen: Zwei neue Glocken aus Bronze werden die beiden stählernen Ursprungsglocken ersetzen, die beim Brand des Turms der Thomaskirche im März vergangenen Jahres irreparabel beschädigt wurden.

Interessierte Mitglieder der ev. Martins-Kirchengemeinde folgten am 20. September der Abkündigung im Gottesdienst und ließen sich die Chance nicht entgehen, den Entstehungsprozess der neuen Glocken für die Thomaskirche hautnah mitzuerleben. Nachdem auch die zuständige Denkmalbehörde „grünes Licht“ gegeben hatte – eigentlich hätten Stahlglocken hergehört, doch passende waren nirgends mehr aufzutreiben, sie werden auch nicht mehr hergestellt -, konnte der hessischen Traditionsfirma Rincker der Auftrag zum Guss neuer Glocken erteilt werden.

Junior-Chef Rincker und weitere Mitarbeiter der gleichnamigen, seit 1590 im östlichen Westerwald ansässigen Glocken- und Kunstgießerei, erläuterten den Gästen aus Espelkamp „vor Ort“, welche Anforderungen an neue Glocken zu stellen sind und wie der Guss im Einzelnen vor sich geht. Erinnert wurde u. a. daran, dass Glocken klanglich sowohl zum vorhandenen Geläut als auch zu den Geläuten der Umgebung passen müssen – im Fall Espelkamps also zu den Glocken der nur einen Katzensprung entfernten katholischen Kirche St. Marien. Wissenswert ist außerdem, dass Bronzeglocken spielend ein Alter von vielen hundert Jahren erreichen können: Die älteste datierte Glocke aus dem Jahr 1038 erklingt noch heute in Bad Hersfeld! Stahlglocken begnügen sich hingegen mit einer Lebensdauer von nur 50 bis 60 Jahren.

Nachdem ein gemeinsames Gebet gesprochen war, erlebte die Besuchergruppe aus Espelkamp, wie eine glutflüssige Schmelze aus Kupfer und Zinn ihren Weg suchte in die unter einer Sandabdeckung verborgenen Guss-Formen für die neuen Glocken der Thomaskirche. Dieser Prozess dauerte kaum zehn Minuten. Dann verstummte der Lärm in der Gießhalle, und die Glocken konnten ihrer Abkühlung übers anschließende Wochenende entgegensehen. Nicht nur die Besuchergruppe ist gespannt darauf, die fertigen Glocken demnächst in Augen- und Ohrenschein nehmen zu können!

Fotos: Christoph Heuer